Nachruf für Johann Wester, Ehrenvorsitzender der Kreisgruppe Mannheim-Heidelberg

Ein verdienstvoller Siebenbürger Sachse, Träger der Pro Meritis Medaille des Verbands der Siebenbürger Sachsen, ist am 12. Januar 2026 von uns gegangen. Johann (Hans) Wester hat als Vorsitzender unsere Kreisgruppe von 1984–1990 und von 1993-2005 geleitet.
Neben seiner Ehefrau Anna und den Söhnen Karl-Heinz und Harald Wester trauern viele Verwandte, Freunde und die siebenbürgisch-sächsische Gemeinschaft um diesen vorbildlichen Siebenbürger.

Hans Wester wurde in Stein geboren und erlebte dort eine Kindheit und Jugend, die von der Nachkriegszeit geprägt war. Armut und politische Einengung waren jedoch für eine Dorfgemeinschaft kein Hindernis, Tradition zu pflegen. Mit Brauchtum und emotionalem Gepäck kam Wester im März 1974 mit Ehefrau Anna und ihren beiden Söhnen nach Mannheim, wo die Familie schnell Fuß fassen konnte. Schon im April 1974 trat er in die Landsmannschaft ein. 1975 wurden die Eheleute Wester aktive und permanente Mitarbeiter der Kreisgruppe. Von 1979-1984 war Wester stellvertretender Vorsitzender der Kreisgruppe und im September 1984 wurde er zum Vorsitzenden der Kreisgruppe gewählt. Zusätzlich hatte er von 1994 bis 1997 das Amt des stellvertretenden Vorsitzenden des Bundes der Vertriebenen, Kreisverband Mannheim, inne.

Mit hervorragendem Organisations- und Kommunikationstalent hat Hans Wester das kulturelle Veranstaltungsangebot der Kreisgruppe erweitert und stellte sie der breiten deutschen Öffentlichkeit als eine gewachsene Kulturgemeinschaft vor. Sämtliche Veranstaltungen dienten nicht nur dazu, das Zusammengehörigkeitsgefühl unter den Mitgliedern zu stärken und altes Brauchtum lebendig zu erhalten, sondern auch zur Integration unserer Volksgruppe in der neuen Heimat, indem er die siebenbürgische Kultur der Bevölkerung Mannheims und des Rhein-Neckar-Kreises vorstellte.

Vortragsnachmittage, Autorenlesungen, Ausstellungen, Muttertagsfahrten, Wanderungen (sein Hobby), Busausflüge, Erntedank- und Weihnachtsfeiern, Frauennachmittage, Kathreinen- und Faschingsbälle, Jubiläen unserer Kreisgruppe, die Aufführung des Mundartstückes „Äm Ihr uch Gläck“ und die Einrichtung unseres Heimatmuseums beweisen Westers tief verwurzelte Liebe zur siebenbürgisch-sächsischen Kultur. Dabei passte er das Veranstaltungsangebot an die jeweiligen Bedürfnisse der Mitglieder an, die es sehr gerne annahmen. Dank dieser vielfältigen Aktivitäten erstarkte die siebenbürgisch-sächsische Gemeinschaft im Rhein-Neckar-Raum und wurde ein leuchtendes Beispiel von Gemeinschaftspflege auch für siebenbürgische Gruppen aus anderen Regionen der Bundesrepublik.

Die mit besonderem Glanz organisierten Siebenbürgisch-Sächsischen Kulturtage vom 6.-28. März 1987 in Mannheim beeindruckten die Besucher mit vielseitigen Brauchtumsveranstaltungen. Sie haben den Bekanntheitsgrad sowie das Ansehen der Siebenbürger Sachsen in der Öffentlichkeit erhöht.

In verschiedenen Städten, Banken, Rathäusern, im Heimatmuseum Ilvesheim organisierte er siebenbürgisch–sächsische Ausstellungen. Oberbürgermeister und Kulturbürgermeister wohnten den Eröffnungen bei, bewunderten die Ausstellungen und waren beeindruckt von Westers Engagement.
Für die mit viel Heimatliebe zusammengetragenen Kulturschätze suchte Wester jahrelang nach einem dauerhaften Ausstellungsraum: Diesen fand er nach vielen Gesprächen, Anträgen und Telefonaten mit städtischen Mitarbeitern im alten Rathaus von Neckarau, wo nach aufwendiger Renovierungsarbeit das Heimatmuseum der Kreisgruppe untergebracht und maßgeblich von Anni Wester eingerichtet wurde.

Die „Siebenbürger Straße“ in Mannheim erhielt ihren Namen nach mehreren Schreiben Westers an den Oberbürgermeister und den Gemeinderat der Stadt Mannheim.

Die Veranstaltungen der Kreisgruppe, wie Muttertagsfeiern, Weihnachtsfeiern, Erntedankfeste, Vorträge wurden jahrzehntelang in den Räumen der Mannheimer Friedenskirche veranstaltet. Viele davon wurden zusammen mit den in Mannheim lebenden siebenbürgischen Pfarrern, Dekan i.R. Hermann Schuller, Michael Batzoni und Hans Ehrlich, mit musikalischer Begleitung von Prof. Heinz Acker durchgeführt.
Um unsere Kultur und unser Brauchtum auch den Mitgliedern der Friedenskirche bekannt zu machen, wurden zusammen mit Pfarrer Michael Batzoni die Tage der Begegnung mit kulturellem Programm und siebenbürgischen Spezialitäten organisiert.

Westers Sinn für soziale Gerechtigkeit und Hilfsbereitschaft gegenüber Benachteiligten bestimmten seine Paketaktionen nach Siebenbürgen in den achtziger Jahren genauso wie nach der Wende. Die substantielle Hilfe und Unterstützung bei der Eingliederung der Landsleute wurde auch von den Behörden der jeweiligen Städte begrüßt.

Sein Engagement und sein Wirken wurde von bedeutenden Persönlichkeiten aus unserem Verband geehrt: Bundes-, Landes- und BDV-Vorsitzenden sowie auch von Oberbürgermeistern und Bürgermeistern der Städte Mannheim, Schwetzingen und Ilvesheim. Hans Bergel, Hermann Oberth sowie Persönlichkeiten vom Verein Geschichte Alt-Neckarau und den Banater Schwaben folgten Westers Einladung und bereicherten durch Lesungen, Vorträge und Ausstellungen das kulturelle Angebot.

Die Ehrungen des Verbands mit dem Silbernen und dem Goldenen Ehrenwappen sowie der Pro Meritis Medaille würdigten seine Verdienste für die Kreisgruppe und unsere siebenbürgisch-sächsische Gemeinschaft. Sein Erfolg war auch deshalb möglich, weil seine Frau Anni ihm stets zur Seite gestanden und alle Belastungen und Herausforderungen mitgetragen hat.

Die siebenbürgisch-sächsische Gemeinschaft trauert um Johann Wester. Wir verneigen uns vor Johann Wester und werden sein Andenken in Ehren halten. Anni, Karl-Heinz und Harald Wester mit Familien wünschen wir viel Kraft und Trost in dieser schweren Zeit des Abschiednehmens.

Hans-Holger Rampelt